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Alevi Toplumu-Alevitische Gemeinde

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Paar Fragen zu den Aleviten und zum Alevitentum

 

 

1) Wie viele Aleviten gibt es in Deutschland?

 

  • Schätzungen zu folge leben zwischen 700.000 und 800.000 Aleviten in Deutschland. Doch ist es schwer, eine genaue Zahl zu nennen.

2) Aus welchen Volksgruppen setzen sich die Aleviten in Deutschland zusammen?

  • Die in Deutschland lebenden Aleviten sind zum größten Teil türkischer, kurdischer und arabischer Herkunft. Neben diesen beiden Bevölkerungsgruppen leben Aleviten aus den Balkanländern, aus dem Vorderen Orient und aus den Kaukasusländern in Deutschland.

3) Welche wichtigen Feste und Gedenktage  gibt es?

 

  • Muharrem: Zwölf Tage Fastenzeit (Trauerfasten)
  • Hizir: 3-tägiges Fasten
  • Hz. Alis Geburtstag, gleichzeitig Nevruz (genannt), findet am 21. März jedes Jahres statt.
  • Opferfest
  • Hidirellez (Hizir-Ilyas) 5.-6. Mai
  • Donnerstagabende sind Gebetszeiten (Gemeinschaftsgebet: Cem)

 

4) Wie wird am Ashura-Tag um Hz. Hüseyin getrauert?

  • Es stellt den Höhepunkt des Muharremfastens dar. Heutzutage finden Veranstaltungen im Vereinen oder Gebetshäusern (Cemhäuser) statt, in denen den Menschen über diese Tat und den geschichtlichen Hintergrund erzählt wird. Bei uns wird die Asura-Speise am Ende der 12 tägigen Fastenzeit gekocht und an die Nachbarn und andere Menschen verteilt. Ashura spielt inzwischen nicht nur bei den Aleviten eine wichtige Rolle, sondern auch andere Glaubensgemeinschaften fangen an, den Ashura-Tag anzuerkennen.
  • 5) Warum findet das Fasten im Monat Muharrem statt?

 

  • Nach der alevitischen Glaubenslehre wird das Gebet Muharrem-Fasten auf den ersten Propheten  Hz. Adam zurückgeführt und wurde bis Hz. Muhammed von allen Propheten und Weggefährten ausgeübt. Außerdem ist Muharrem ein arabischer islamischer Monatsname und Hz. Hüseyin wurde nach der islamischen Zeitrechnung am 10. Tag des Muharrem Monats umgebracht. So wird auch heute nach der islamischen Zeitrechnung gerechnet und im Monat Muharrem gefastet. Der Monat Muharrem ist nicht nur bedeutsam weil Hz. Hüseyin in diesem Monat umgebracht wurde, sondern im Monat Muharrem sind unter anderem viele religiös-historische Dinge geschehen (s. Fasten bzw. Muharrem-Fasten).

 

 

6) Warum wird in Anatolien ein Baum oder eine Quelle als heilig erklärt/angesehen und als Versammlungsort bzw. Wallfahrtsort gewählt? Was macht diese Orte heilig?

 

  •  Bei solchen Orten handelt es sich meistens um Grabstätten oder besuchte Orte von bestimmten wichtigen alevitischen Persönlichkeiten, die Derwische (Geistliche) waren. Bei uns nennt man sie Pir (Rehber / Dede / Ana). Es sind Personen, die sich mit Gott vereint haben und nach der alevitischen Lehre die Wahrheit erreicht oder besser gesagt zur (Selbst-)Erkenntnis gelangt sind und sich somit mit Gott vereint haben. Sie haben auch dadurch in diesem Stadium ihre eigene Heiligkeit entdeckt. Deshalb sieht man auch die Orte als heilig an. Man hat Hoffnungen und Erwartungen, aber diese sind nicht direkt in diese Orte und Gräber. Zudem dienen diese Orte dem Festigen des religiösen Ritus sowie dem Zusammenhalt der Solidarität der Gesellschaft.

7) Gibt es auch in Deutschland oder in anderen Ländern Europas geweihte bzw. durch Weihe heilig geheißene Bäume und Quellen?

 

  • Soviel wir wissen, in Deutschland zwar nicht aber in Balkanländer (wie Albanien, Ungarn, Bulgarien etc.) gibt es genügend solcher Orte, weil das Alevitentum sich früher durch die Geistlichen bis in diese Länder ausgebreitet hatte und diese Bevölkerungsgruppen früher meistens zu Alevitischen Orden angehörten. Dadurch entwickelte sich dieser Kult auch in diesen Ländern.

8) Warum gibt es das Tabu, die Türschwelle zu betreten?

 

  • Die Türschwelle ist für uns heilig. Sie symbolisiert den Eintritt einer Person in den Glauben/Weg (Alevitentum). Also wechselt diese Person von einer Welt in eine andere indem sie/er in den Glauben eintritt; sie wird sozusagen neu geboren. Ohne durch die Tür zu gehen und sich zu einem Pir zu bekennen, kann man nicht Alevite werden. Das ist der erste Schritt. Man muss sich hier auch metaphorisch vorstellen: Z. B. ist das Alevitentum ein Haus und um in dieses Haus rein zu gelangen müsste man durch die Tür gehen. Außerdem bedeutet Dervis (Derwisch) die Türschwelle.

9) Welche Tiere werden als Opfertiere genutzt?

 

  • Es sind meistens Schafe, Kühe etc. Es ist besser, die verbotenen zu erwähnen. Das sind Schweinefleisch und Hasenfleisch (weil sie unreine Tiere sind). Dabei ist anzumerken, dass das nicht essen von bestimmten Fleischsorten anders interpretiert wird als bei den andern Glaubensgemeinschaften.
  • 10) Warum werden die Knochen von Opfertieren als unsterblich angesehen und verehrt?

 

  • Eigentlich ist uns so eine Glaubensart nicht bekannt, aber man kann dazu Folgendes sagen: Nach unserer Lehre stirbt nichts, was einmal existierte.

 

11 Welche andere schamanistischen Elemente gibt es in der Religion?

 

  • Es ist kaum zu glauben, dass das Alevitentum in seiner äußeren Erscheinung von anderen Glaubensarten und Kulturen nicht beeinflusst worden ist, jedoch bilden diese Einflüsse nicht die Grundfundamente des Alevitentums. Alevitentum basiert auf den Gott-Muhammed-Ali Glauben! Nun gibt es bestimmte kulturelle Werte, die mit der Zeit in das Alevitentum integriert wurden.

12) Wie läuft ein Gottesdienst genau ab? Gibt es hier Unterschiede zwischen Deutschland und der Türkei?

  • Bei den Gottesdiensten in der Türkei gibt es nur geringe Unterschiede, diese sind meistens ortsspezifisch. Zwischen der Türkei und Deutschland besteht ebenso ein geringer Unterschied.

13) Spielt „takiye" für die Aleviten in Deutschland noch eine Rolle?

 

  •  Meistens nicht mehr, aber es gibt immer noch einige Menschen, die aufgrund ihrer Angst um ihren Arbeitsplatz (das sind aber sehr seltene Einzelfälle) oder vor ihrem Nachbarn (um wegen bestehende Vorurteile nicht falschverstanden zu werden) ihre Identität verheimlichen.

 

 

14) Was bedeutet der Spruch „ser vermerk, sir vermemek" in der Übersetzung?

  • Das bedeutet, dass man sein Leben hergibt, opfert, aber nicht sein Geheimnis den Fremden öffnet (schweigt). Hier handelt es sich um die (geheime) Lehre der Aleviten, die nicht für jeden zugänglich ist. Nur die Menschen, die sich mit Gott vereint haben, also zur Selbsterkenntnis gelangen, erfahren dieses Geheimnis (die Wahrheit).
  • 15) Wie ist der Satz „Beherrsche deine Hände, deine Zunge und deine Lenden" zu verstehen?
  • Dass Menschen lernen sollen, sich in jeder Hinsicht zu beherrschen, sei es Sex (d.h. in der Ehe treu bleiben), Sprechen (d.h. man soll wissen, im Klaren sein was man sagt, erst einmal gut nachdenken und sich danach äußern), Klauen (d. h. man soll niemals klauen/stehlen etc.).

16) Warum wird das sunnitisch-rituelle Gebet und das Almosengeben abgelehnt?

  • Für die Aleviten ist es sehr wichtig und es ist auch die Pflicht jedes Aleviten, den Bedürftigen Menschen zu helfen. Diese Hilfe soll nicht nur einmal im Jahr erfolgen, sondern es sollte jeden Tag versucht werden, den Menschen zu helfen. Über das rituelle Gebet der Sunniten könnte ich jetzt seitenweise erzählen, doch im Groben will ich nur sagen, dass wir Aleviten das Gebet anders wahrnehmen als die Sunniten. Doch wir respektieren trotzdem die Menschen, die nach dem sunnitischen Gebet ihre Religion ausüben und verlangen auch von den Sunniten, dass sie die Aleviten in ihrer religiösen Form anerkennen.
  • 17) Warum ist die Pilgerfahrt nach Mekka nicht vorgeschrieben?

 

  • Für die Aleviten wurden die Menschen nach dem Ebenbild Gottes erschaffen, also suchen die Aleviten das Göttliche in Menschen und sonst nirgendwo. Dementsprechend beten wir auch im Kreis, von Angesicht zu Angesicht, weil wir Gott im Menschen sehen.

18) Was bedeutet „caferitisch-zwölferschiitisch“?

  • Damit sind die Gruppierungen gemeint, die sich zu zwölf Imame (Familie und Nachfahren vom Propheten) anerkennen. Caferitisch kommt von 6. Imam Cafer Sadik.

19) Woher kommt der Begriff „Holzfäller" (Tahtacilar) Aleviten?

  • Tahtaci Aleviten (Tahtacilar) befinden sich hauptsächlich im Ägäis/in der Westtürkei. Diese Bezeichnung haben sie deswegen bekommen, weil sie sich mit Holzfällerei beschäftigten. Im Grunde gibt es keine Unterschiede zwischen den religiösen Praktiken von Tahtaci Aleviten und anderen Aleviten.

 

 

 

 

20) Sollte man ganz bestimmte Texte gelesen haben, um das Tor der Erkenntnis durchschreiten zu können?

  • Ja auch, aber man sollte es hauptsächlich ausleben, man kann diese Dimension nicht nur durch Lesen erreichen. In unserer Lehre ist das größte Buch, das zu lesen ist, der Mensch selbst = Selbsterkenntnis. Die heiligen/wichtigen  Bücher bei den Aleviten sind „der Koran“ (aber auch andere heilige Bücher wie das Altes und Neues Testament werden anerkannt, dazu sagt man im Alevitentum: Dört kitabin dördüde Hak (alle vier heiligen Bücher sind Gottesworte)), „Nehc´ül Belaga“ (Das Gebot von Hz. Ali), „Buyruk“ (Das Gebot) von  Imam Cafer-i Sadik und „Buyruk“ von Seyh (Scheich) Safi und Velayetname, Makalat von Hünkar Haci Bektas Veli. Das sind Bücher, die den Gläubigen (Talip) den Weg der Erkenntnis zeigen/erleichtern und diese beinhalten gleichzeitig die Regeln. Bei den zeitgenössischen Aleviten sind alle Bücher, die über Vernunft und Wissenschaft lehren, heilig denn die Aleviten sind der Überzeugung, dass nur durch Vernunft und Wissenschaft die Welt zu erleuchten ist.

21) Was heißt es konkret, Schamhaftigkeit zu zeigen und ehrenhaft zu leben?

  • Das bedeutet für uns, dass man nach den Regeln des Alevitentums zu leben/zu handeln hat. Diese Regeln implizieren natürlich auch die allgemeinen ethischen Werte und Normen der Gesellschaft.

 

22) Gibt es eine bestimmte Gottesvorstellung?

  • Ja. Die Bezeichnungen lauten „vahdet-i vücut“ und „vahdet-i mevcut“, d. h. das ganze Universum insgesamt bildet Gott und wir sind Teile Gottes. Ein weiterer Begriff ist „Enel-Hak“ (von dem Mystiker Hallac-i Mansur), der für das Verständnis verwendet wird, um zu zeigen, dass Gott in Menschen existiert, was man als „ich bin Gott/ich bin die Wahrheit“ deutet.

23) Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen sunnitischem und schiitischem Islam was die Männer-und Frauenrollen und das Verhältnis von Mann und Frau zueinander betrifft?

 

  •  Es ist sehr schwer diese Unterschiede, bezogen auf die Gleichstellung von Mann und Frau, in ein paar Sätzen auszudrücken. Es ist jedoch zu erwähnen, um es deutlicher darzustellen, dass bei alevitischen Gottesdiensten Männer, Frauen und Kinder (also alle Einheiten einer Gesellschaft) gemeinsam beten. Das Alevitentum ist eine Religionsgemeinschaft  die in ihrem normalen Alltag und in ihrem religiösen Alltag keine Unterschiede zwischen Mann und Frau macht.
  • Remzi Kaptan

 

 


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